"WiM" will´s wissen
Am 12. März diskutierten zum zweiten Male auf Einladung von „Weiterbildung in Münster“ Politiker die Perspektiven der Weiterbildung. Diesmal hatten sich Landtagsabgeordnete auf dem WiM-Podium in den Räumen der Bezirksregierung Münster eingefunden. Unter dem Motto „WiM will’s wissen“ wurden die aktuellen Herausforderungen für Weiterbildungseinrichtungen und Trends in der Weiterbildung diskutiert. Und es zeigte sich: Es ist Wahlkampf, die Statements standen oft auch im Zeichen der Landtagswahl im Mai 2010. Aber es gab auch das Bekenntnis zur Weiterbildung.
Die zweite Podiumsdiskussion des Netzwerks „Weiterbildung in Münster“ (WiM) brachte überraschend einmütige Bekenntnisse der Teilnehmer: Die Politik will Weiterbildung stärker als bislang fördern. Und parteiübergreifend gibt es ein Bekenntnis zu einem breiten Weiterbildungsbegriff, der allgemeine und berufliche Weiterbildung in einen Zusammenhang stellt.
Das mag auch daran gelegen haben, dass das Impulsreferat von Wilfried Rehfeld, Leiter des dialog-Bildungswerks Greven, umfassend und kompakt zugleich die aktuellen Probleme der Weiterbildung unmissverständlich auf den Punkt brachte. Und dass sich niemand aus der Politik an diesen Wahrheiten vorbeimogeln konnte.
Rehfeld machte deutlich: Weiterbildungsanbieter standen und stehen in den letzten Jahren vor immer neuen Herausforderungen, die zur Bewältigung der eigentlichen Aufgabe, nämlich qualitativ hochwertige Bildungsangebote auf den Weg zum Teilnehmer zu bringen, dazu gekommen sind. Zum einen sind das zeitaufwändige Verfahren zur Zertifizierung der Qualität der Bildungseinrichtungen, eine immer stärker an Markterfordernissen ausgerichtete Entwicklung von Einrichtung und Programm und die zugleich zunehmend prekäre Einkommenssituation der Dozenten und Dozentinnen. Die bereits 2007 im so genannten Bochumer Memorandum der GEW festgehaltene Forderung, den Anteil der Weiterbildungsausgaben auf ein Prozent des Bildungsetats festzuschreiben, wiederholte Rehfeld und machte darauf aufmerksam, dass der derzeitige, tatsächliche Wert bei lediglich 0,64 Prozent läge.
In der anschließenden Diskussion mit den Landtagsabgeordneten wurde deutlich, dass auch die Kürzungen, die sowohl die rot-grüne als auch die aktuelle schwarz-gelbe Landesregierung in den letzten Jahren zu verantworten hatten, einen erheblichen Teil zur heutigen Situation beigetragen haben. Und dass die Lippenbekenntnisse leider nicht in konkrete Maßnahmen münden, die eine Verbesserung herbeiführen. So zeugten einige Wortmeldungen aus dem sich aktiv beteiligenden Publikum, dass man die Politik an ihrem Handeln misst: „Jeder ist für Weiterbildung – doch das Geld wandert in den Straßenbau.“
Zu den Entwicklungen wie z.B. der demographischen Veränderung hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft äußerten sich aber nicht nur die Politiker. Auch die eingeladenen Gäste in der so genannten Ersten Reihe machten aus ihrer jeweiligen Sicht deutlich, dass man die heutigen und künftigen Herausforderungen durchaus im Auge hat – und sich Lösungsvorschläge von der Politik erhofft. Markus Lunau, Bereichsleiter Personal bei der Sparkasse Münsterland-Ost, schilderte aus Sicht eines Unternehmens, welche Bedeutung Weiterbildung für die Werterhaltung der individuellen Arbeitskraft aber auch für das gesamte Unternehmen hat – und wünschte sich Unterstützung bei der zielgruppenspezifischen Ansprache und Motivation älterer Mitarbeiter. Englisch-Dozentin Cathrin Ruppe erhofft sich künftig mehr Unterstützung für die Lehrenden in der Weiterbildung, die sich trotz der Beschäftigung bei gleich mehreren Anbietern in prekären Beschäftigungsverhältnissen befinden. Und Anke Breitkopf von der Regionalagentur Münsterland wünscht sich, dass so erfolgreiche Förderinstrumente für Teilnehmer wie der Bildungsscheck NRW beibehalten werden.
Zum Ende der Diskussion rückte das Thema „Kürzungen und deren Rücknahme“ in den Mittelpunkt. Alle Podiumsteilnehmer stellten über Parteigrenzen hinweg fest, dass sie bei einer Regierungsbeteiligung ab Mai 2010 die Kürzungen zurückfahren wollen. Die Antwort, in welchem Umfang dies geschehen solle und wie die Finanzierung dieser Maßnahme abgesichert sein könnte, blieben aber alle schuldig.
Auch wenn Fragen offen blieben, so hatte die zweite Podiumsdiskussion von WiM – Weiterbildung in Münster doch wichtige Erkenntnisse geliefert: Die Politik in Düsseldorf hat die Relevanz von Weiterbildung erkannt, äußert sich öffentlich hierzu und hat unisono das Versprechen gegeben, die Kürzungen der letzten Jahre zurückzufahren. Spannend wird es sein, bei einer künftigen Veranstaltung, für die alle Diskutanten eine neuerliche Teilnahme signalisiert haben, diese Aussagen einem Realitäts-Check zu unterziehen.



